Archiv für den Monat: November 2014

I got the Blues II

 

Seit ich den Dreisaiter gebastelt habe, macht es mir sehr viel Spaß, damit zu spielen. Gerade für mich als mehr oder weniger Gitarrenanfänger mit wenig Zeit zum Üben ist das Ding ideal. Man kann auch ohne fortgeschrittene Kenntnisse bald recht intuitiv damit spielen und hat recht schnell motivierende Erfolge zu verzeichnen.
Dennoch reizte es mich mit wachsender Erfahrung beim Bauen und Spielen mich mal an einen Sechssaiter zu wagen.
Es sollte was ordentliches mit viel Sustain und einem möglichst breiten Klangspektrum werden. So entschied ich mich für eine Mensurlänge von 672,7mm und wählte diesmal als Halsmaterial besonders steife Eiche von einer mindestens 70 Jahre abgelagerten Bohle, die ewig auf einem Dachboden herumlag und mir mal zum Verheizen(!) überlassen worden ist. Ich schnitt wieder Streifen, die ich sorgfältig gegeneinander gesperrt verleimte. Zur Zier kamen noch schmale Streifen Mahagoni von einer alten Tür dazwischen.
Ich verwende übrigens grundsätzlich keine „frischen“ exotischen Hölzer, da ich nicht sicher sein kann, ob sie aus irgendwelchem Raubbau stammen. Alles von mir verarbeitete Tropenholz stammt aus Abrißmaterialien wie Türen, Fenster, Treppenstufen oder im Falle der Bongossi- Griffbretter von Schiffsanlegern.
Um den Saitenzug kompensieren zu können zog ich einen Halsstab ein, dessen Mutter in der Kopfplatte sitzt und noch eine Abdeckung bekommt. Die Kopfplatte wurde diesmal separat angefertigt und an den Hals angeschäftet.
Um die Elektronik vernünftig installieren und ggf. reparieren zu können habe ich diesmal einen großen Wartungsdeckel auf der Rückseite vorgesehen. Ebenso findet der Saitenwechsel durch diese Öffnung statt.
Als Tonabnehmer wählte ich zwei -übrigens sehr gut klingende- splitbare Humbucker von Artec, die ich über einen fünffach- Superswitch von 7ender folgendermaßen beschaltete:
1. Bridge Abnehmer als Humbucker
2. Bridge als Singlecoil
3. Bridge + Neck parallel als Humbucker
4. Neck als Singlecoil
5. Neck als Humbucker
Dazu kam noch ein Lautstärkepoti und eine vergoldete Klinkenbuchse, welche wie beim ersten Projekt wieder in den Einfüllstutzen wanderte.
Den Steg habe ich diesmal nicht selbst angefertigt, sondern nutzte ein kompensierbares No-Name- Teil aus der Bucht. Wie beim ersten Modell habe ich den Sattel wieder aus Messing gefeilt. Allen Unkenrufen zum Trotz bin ich mit dem Klang dieses Materials sehr zufrieden.
Auch die Griffbrettmarkierungen habe ich wie beim ersten Mal aus etwas Kleinschrott auf der Drehbank angefertigt. Diesmal verwendete ich allerdings Aluminium und ich habe auch seitliche Markierungen angebracht.
Alles in allem stecken ca. 3 Wochen Arbeit in der Gitarre und ich bin mit dem Klang äußerst zufrieden. 🙂
Das Nachfolgemodell ist schon in Planung…